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Zusammenfassung der archäologischen Ausgrabung und Datierung des Körpergräberfeldes Unterhausen an der B 16

Georg Habermayr

Im Zuge des Neubaus der Bundesstraße 16 als Ortsumfahrung von Ober- und Unterhausen – erster Spatenstich am 14. Mai 2001, Verkehrsfreigabe am 30. Juli 2004 – wurden im Bereich der nördlichen Zufahrtsrampe des Brückenbauwerkes „Am Ziegler“ Körpergräber bei Erdarbeiten angeschnitten. Der informierte Kreisheimatpfleger Ludwig Lang konnte vier größere, hellgrauockerne Bereiche, 2 x 3 Meter bis 3 x 4 Meter mit Knochensplitter-streuungen und einigen Skelettteilen feststellen. Die Skelettteile waren durch Erosion freigelegt worden.

Das für die Bauausführung der B 16 zuständige Straßenbauamt Ingolstadt beauftragte die Firma Pro Arch GmbH, Ingolstadt, mit der wissenschaftlichen Untersuchung, um archäologische Funde zu bergen und zu dokumentieren. Eine archäologisch fachliche Erkundung der gesamten Neubaustrecke von 5,2 km der Ortsumfahrung von Ober- und Unterhausen fand nach der Humusabtragung im März/April 2002 durch eine Fachfirma statt, wobei keine besonders erwähnenswerten Funde gemacht wurden.

Abb. 1: Einmessen und Einzeichnen von Gräbern

Im Grabungszeitraum vom 20.08. – 30.09.2003 wurden in 21 Arbeitstagen ca. 850 m2 Fläche, davon 96 m2 Gräberbereiche untersucht. Da die Ausdehnung des Bestattungsplatzes unbekannt war, mussten weitere Flächen durch Bagger abgeschoben werden, um die sichtbaren Gräber Suchschnitte angelegt werden. Außerdem wurde nochmals ein 2-3 m breiter Streifen um den Bestattungsplatz mit einem Bagger abgeschoben. Dabei kamen keine weiteren Gräber zum Vorschein.

Grabungsfund:

Acht Gräber, siehe Anlage 1, mit Bestattungen in gestreckter Rückenlage, West Süd West (Kopf) – Ost Nord Ost. Die Gräber sind beigabenlos, die Grabgruben und Grabeinbauten sind nicht deutlich erkennbar. Die Gräber liegen in Reihen, nur die Bestattung des Objektes 2 liegt strategrafisch über dem Grab des Objektes 6. Einige Gräber enthalten „fremde“ Knochen, es kommen auch verlagerte Knochen vor:

Abb. 2: Die Objekte 5 und 6 nach der Freilegung

1 x kleinwüchsige Erwachsene oder Jugendliche (Objekt 1)
1 x Kleinkind (Objekt 2)
1 x nur noch ein Säuglings-Schädel (Objekt 3)
1 x Knochenstreuungen (Objekt 4) der Objekte 7 und 9
3 x Erwachsene mit deutlichen Altersabnutzungen (Objekte 5, 6, 9)
1 x Erwachsene (Objekt 7)
1 x kleinwüchsige Erwachsene mit deutlichen Altersabnutzungen (Objekt 8)

Abb. 3: Objekt 3 und 6

Abb. 4: Objekt 5, ca. 1,60 m Größe

Zusammenfassung:

Die beigabenlosen Gräber ließen eine exakte Datierung nicht zu. Es konnte nur ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Bestattungsplatz der Neuzeit handelt, da weder in der ältesten Flurkarte von Unterhausen von 1808 ein Hinweis auf einen Friedhof im Grabungsbereich verzeichnet ist, noch die Pfarrmatrikel von Unterhausen, beginnend 1666, eine Beerdigung außerhalb des existierenden Friedhofs um die Pfarrkirche belegen.

Die geborgenen Skelette wurden mit einer Grabungsdokumentation an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Ingolstadt übergeben.

Die für die Ortsgeschichte Unterhausen unbefriedigende Datierung der Gräber bzw. der Skelette veranlasste die Gemeinde Oberhausen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege Ingolstadt Kontakt aufzunehmen, mit der Bitte, das Skelettmaterial mit Hilfe der C-14 Methode genauer zu datieren.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beauftragte daraufhin das Physikalische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg mit der Untersuchung.
Um eine verlässliche Datierung des Skelettmateriales zu bekommen, mussten mindestens zwei Langknochen aus zwei unterschiedlichen Gräbern mit der C-14 Methode untersucht werden. Hierzu wurden ein linker Oberschenkelknochen (Femur) aus dem Objekt 5 und ein rechter Oberschenkelknochen aus dem Objekt 6 ausgewählt. Das Untersuchungsergebnis beider Oberschenkelknochen aus zwei verschiedenen Gräbern ist fast identisch:

Probe 1: 68,3 % Wahrscheinlichkeit (Sigma 1) 668 n. Chr. – 771 n. Chr.
(Anlage 2) 95,4 % Wahrscheinlichkeit (Sigma 2) 652 n. Chr. – 783 n. Chr.
Probe 2: 68,3 % Wahrscheinlichkeit (Sigma 1) 668 n. Chr. – 771 n. Chr.
(Anlage 3) 95,4 % Wahrscheinlichkeit (Sigma 2) 652 n. Chr. – 783 n. Chr.

Das Ergebnis der Untersuchungen belegt, dass es sich bei der kleinen Grablege am Fuße des Ulrichsberges in Unterhausen um Bestattungen der jüngeren bis späten Merowingerzeit handelt. Aufgrund der Beigabenlosigkeit der Bestattungen und der Ergebnisse der C-14 Untersuchungen kann als wahrscheinlicher Bestattungszeitraum die Zeit um 700 n. Chr. bis 750 n. Chr. angenommen werden.

Erläuterung zu den Messwerten der C-14 Methode:

  • Der Bezugpunkt für das konventionelle C-14 Alter ist das Jahr 1950 nach Christus (AD = Anno Domini).
  • Man gibt das Alter in Jahren BP an (BP = Before Present, im Jahre vor 1950).

Schlussfolgerung:

Mit dieser ziemlich exakten Datierung kann die Ortsgeschichte von Unterhausen, hier vor allem die Besiedelung dieses Raumes, wesentlich früher angesetzt werden, als es die erste urkundliche Erwähnung im Pappenheimer Urbar von 1214 erlaubt.

Ob ein Zusammenhang zwischen dieser kleinen Grablege am Fuße des Ulrichsberges und der Ansiedlung auf der Kuppe des Ulrichsberges (siehe hierzu den Grabungsbericht zu einer mittelalterlichen Wüstung auf dem Ulrichsberg) hergestellt werden kann, müssten weitere Untersuchungen/Ausgrabungen dieser Gebäudefundamentreste auf dem Ulrichsberg zeigen.

Literatur:

Fendt Matthias: Pro Arch GmbH Ingostadt Grabungsbericht 2003
Dr. Haberstroh Jochen: Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Ingolstadt, Befundbewertung 2005
Kraft Wilhelm: Das Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim, München 1929
Lang Ludwig: Bericht zur Grabung im Bereich einer mittelalterlichen Wüstung auf dem Ulrichsberg bei Unterhausen, Neuburger Kollektaneenblatt Jahrbuch 152/2004 Seite 212 ff
Scharf Andreas: Physikalisches Institut der Universität Erlangen Nürnberg, Ergebnisse der C-14 Datierungen des Projektes Unterhausen, Erlangen 2005
Straßenbauamt: Bundesstraße 16, Ortsumfahrung Unter-/Ober-Ingolstadt hausen, Ingolstadt 2004
Fotos 1 – 4: privat

Anlage 1:

Anlage 2:

Anlage 3: