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Neuburger Schießplätze

Die Schießplätze der Neuburger Garnison

Roland Holzmayr

Der Bau der "Alten Kaserne" (heute Landratsamt) von 1768 bis 1772 und der Bezug durch zunächst wechselnde Truppenteile machte Neuburg zur Garnison. Die Ausbildung der Soldaten im Gefechtsdienst und im Schießen erforderte entsprechende Möglichkeiten. Zunächst wurde noch im freien Gelände ausgebildet und geschossen. Mit der ersten länger absehbaren Belegung der Kaserne durch das 7. Linieninfanterieregiment "Fürst Löwenstein" ab 1804 wurden ständig nutzbare Ausbildungseinrichtungen nötig.

Der Schießstand im Englischen Garten

1805 wurde der Exerzierplatz an der Münchener Straße eingerichtet und zeit- gleich dürfte auch der erste Schießplatz entstanden sein. Er wurde im Englischen Garten westlich des Längenmühlbaches angelegt. Noch 1953 wird in folgender Karte das betroffene Gelände als "Kugelfang" bezeichnet.

Abb. 1: Ausschnitt aus Karte Blatt 7233 Neuburg a. d. Donau 1:25.000 des Landesvermessungsamtes München von 1953.

Der Schießstand war von einfachster Art und besaß als Kugelfang lediglich eine etwa sechs Meter hohe künstliche Erdaufschüttung an der heutigen "Kanalkrone", die in den 1960er-Jahren anlässlich der Einlegung des Kanals abgeräumt wurde. Heute ist das Areal Landschaftsschutzgebiet.

Mit der Ausrüstung des seit 1828 in Neuburg stationierten K. B. 15. Infanterie-Regiments mit modernen Gewehren mit gezogenem Lauf erhöhte sich die Schießentfernung. Eine Verlängerung der Schießbahn bis zur Rohrenfelder Straße wurde zwar noch angedacht, aber nicht mehr verwirklicht, unter anderem deshalb, weil es Beschwerden aus Joshofen über den Einfall verirrter Geschosse gab. 1865 wurde der Platz geschlossen.

Der Schießplatz an der Beutmühle

Die Stadt Neuburg erwarb 1865 ein 87 Tagwerk großes Gelände am nordwestlichen Abhang des Burgwaldes auf Oberhausener Flur und verpachtete es für jährlich 310 Gulden an das Neuburger Regiment. Oberleutnant Carl Franz richtete den Schießplatz mit Bahnen bis zu 570 Meter so ein, dass der steil ansteigende Burgwaldberg als natürlicher Kugelfang dienen konnte.

Abb. 2: Ausschnitt aus Karte unbekannter Herkunft, ca. 1870.

Abb. 3: Ausschnitt aus der Generalstabskarte der bayerischen Armee       Blatt N.W. XXIX. 13, ca. 1874.

Das Bezirksamt Neuburg genehmigte am 20. April 1865 diesen neuen Schießplatz und die Stadt Neuburg stellte entsprechende Warnschilder auf. Am 15. Mai 1865 konnte der Schießbetrieb aufgenommen werden.

Erweiterung und Umgestaltungen erfolgten 1868, 1884 und 1891. Gegen die Erweiterung von 1884 legte der Beutmüller Einspruch ein, "weil seine Arbeiter auf den Feldern diese zu verschiedenen Malen verlassen mussten wegen Einfalles von Geschossen", allerdings erfolglos.

Der Platz lag unglücklicherweise im Hochwassergebiet und wurde fast jedes Jahr oft für mehrere Wochen überschwemmt. Dies dürfte der Grund gewesen sein, dass man nach 1900 nach Alternativen suchte und der Platz um 1910 geschlossen wurde.

In den 1930er-Jahren waren die Trennwälle zwischen den Schießbahnen noch hoch und gut zu sehen, wie folgendes Foto zeigt:

Abb. 4: Aus Otto Hausmann, Alt-Neuburg 1994, Seite 20.

Heute sind die Wälle stark erodiert und vom Auwald überwachsen. Außerhalb der Vegetationszeit ist aber ein großer Teil neben dem Weg zwischen der Beutmühle und der Staustufe Bittenbrunn noch erkennbar. Der Ort ist beschildert.

Die Schießanlage Riedensheim

Etwa 1910/11 wurde diese neue Anlage erbaut, zunächst noch recht provisorisch, aber mitten im Wald, abseits von Wohngebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Nach Ende des ersten Weltkrieges 1918 wurde die Anlage nicht mehr militärisch genutzt und verfiel. Erst mit der Stationierung des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 63 in Neuburg entstand wieder ein Bedarf und die Schießanlage wurde instandgesetzt und modernisiert.

Abb. 5: Ausschnitt aus Karten Blatt 7232 Burgheim Nord und 7233 Neuburg a. d. Donau 1:25.000 des Landesvermessungsamtes München von 1959.

Mit Ende des zweiten Weltkrieges trat erneut eine Nutzungspause ein bis 1959, als mit dem Panzergrenadierbataillen 281 die Bundeswehr in die Burgwaldkaserne, die spätere Tillykaserne, einzog. 1961 folgte die Luftwaffe auf dem Fliegerhorst Zell.

Der Schießplatz wurde zu einer modernen Standortschießanlage ausgebaut. Die Hauptnutzer waren Truppenteile der Panzergrenadierbrigade 28, des Jagdgeschwaders 74 (M), des Heimatschutzkommandos 18 und der Heimatschutzbrigade 56. Nach den Umstrukturierungsmaßnahmen der Bundeswehr in den 1990er-Jahren konnte die Anlage nicht mehr ausgelastet werden und wurde 1995 geschlossen.

Heute beherbergt die Anlage das Tierheim des Tierschutzvereines Neuburg-Schrobenhausen.

Der Luftwaffenschießplatz am Donauufer

Etwa 1943/44 richtete die Luftwaffe diesen Schießplatz ein. Er diente wohl nicht der Ausbildung von Besatzungen, sondern eher dem Funktionsschießen mit Bordwaffen. Am Ostende des Englischen Gartens, bei Flusskilometer 2474,6, baute man eine Scheune, bei der ein großes Tor zur Donauseite hin zu öffnen war. In der Scheune stand eine Flugzeugkanzelattrappe, in die die Maschinenkanonen eingbaut werden konnten. Gefeuert wurde auf die schräg gegenüberliegende Donauseite. Der Berghang des Plattenbergs diente als Geschossfang. Vor dem Plattenberg waren Bunker in den Boden gesetzt worden, aus denen große Tafeln als Ziele hochgelassen werden konnten.

Um die Bevölkerung bei Schießbetrieb zu warnen, hatte man oben auf dem Plattenberg einen Mast errichtet, an dem ein roter Ball hochgezogen wurde.

Donauaufwärts der Scheune richtete die Luftwaffe eine Personenfähre ein, mit der der Fluss von den im Zielbereich eingesetzten Soldaten überquert werden konnte.

Nach der Besetzung Joshofens durch die Amerikaner wurden die Fähre zerstört und die Bunker gesprengt.

Südlich des Radweges von Joshofen nach Neuburg sind auch heute noch die Bunkerreste zu erkennen.

 

Quellen:

Josef Niklas, Die Stadt Neuburg/Donau und ihre Garnison, 1955

Otto Hausmann, Alt-Neuburg, 1994

Stattsarchiv Augsburg, Bestand Bezirksamt Neuburg, Akt 5304

Horst Schwark, Donaugeschichten zwischen Neuburg und Ingolstadt