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Abwasserbeseitigung

Kläranlage Gemeinde Oberhausen

Am 27.09.2006 wurde der Probebetrieb unserer neuen Kläranlage in Oberhausen aufgenommen. Bisher wurden die Abwässer durch ein Schreiber-Tropfkörper-Klärwerk gereinigt. Die seit 1972 betriebene Anlage entsprach nicht mehr den neuen Anforderungen der Abwassereinigung. In einer Studie vom 21.03.2002 von Wipfler Plan wurde untersucht, ob diese durch die Ertüchtigung der alten Kläranlage oder durch den Neubau der Kläranlage wirtschaftlich sinnvoll erfüllt werden können. Die weiteren Untersuchungen ergaben, dass es sinnvoll sei, eine neue Kläranlage für 3.000 Einwohnerwerte mit zwei Schlammstapelbehältern und einem Presswassersilo zu errichten und zu betreiben. Durch den Bau einer neuen Kläranlage sollten die Anforderungen an die Abwasserreinigung auch langfristig erfüllt werden können, die Klärschlammentsorgung zentralisiert, genügend Kapazität für weitere Entwicklungen und der Anschluss von Einzelgehöften und Gemeindeteilen geschaffen werden.

Ausführlich wurde die vorgelegte Planung in mehreren Sitzungen des Gemeinderates beraten, da sie mit geschätzten 1,92 Mio. Euro die teuerste Einzelmaßnahme im Abwasserbereich der Gemeinde werden sollte.

Es wurden mehrere Kläranlagen mit verschiedenen Ausbaugrößen besichtigt. Danach wurde die endgültige Planung erstellt und die Baumaßnahme ausgeschrieben. Im Juni 2005 wurde mit dem Bau begonnen, der innerhalb von 21 Monaten fertig gestellt werden konnte.  Leider stehen für den Bauabschnitt 10, Kläranlage Oberhausen, Anschluss der Einzelgehöfte Beutmühle und Höfelhof, Sanierung der Innerortskanäle und der Ablaufleitung zum Binnenentwässerungsraben der Donau, nur 407.000 Euro an Zuschüssen vom Freistaat Bayern zur Verfügung. Somit muss zum großen Teil die Finanzierung über Verbesserungsbeiträge erfolgen. Besonderer Dank gilt den Ingenieuren von Wipfler Plan aus Pfaffenhofen/Ilm für deren fachliches Wissen sowie Beratung, Unterstützung und umsichtige Steuerung des Bauablaufs.

Dadurch konnte die alte Kläranlage bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage weiter die Abwässer reinigen und ein teures Provisorium vermieden werden. Bedanken darf ich mich bei den Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamts Ingolstadt für die Beratung vor und während der Bauzeit. Ein Lob gilt der Baufirma Heuchel, die in kürzester Zeit trotz des widrigen Wetters den Rohbau erstellte.

Der Einsatz aller hat sich gelohnt. Die Abwässer des Gemeindeteils Oberhausen reinigt nun die Anlage, die dem neuesten Stand der Technik entspricht. Ebenso wurde durch den Bau der Schlammbehälter Vorsorge getroffen, den Klärschlamm auch in Zukunft den gesetzlichen Bestimmungen folgend entsorgen zu können. Durch die Errichtung einer zusätzlichen Schlammzuleitung können auch die Klärschlämme der Kläranlagen in den Gemeindeteilen Sinning und Unterhausen in der Kläranlage Oberhausen von Fremdstoffen gereinigt, zentral gestapelt und entsorgt werden. Eine weitere angenehme Tatsache ist, dass die geschätzten Kosten überwiegend eingehalten werden konnten. Ich hoffe und wünsche, dass die Anlage viele Jahrzehnte störungsfrei läuft. Allen, die dazu beigetragen haben, dass diese Anlage verwirklicht werden konnte, nochmals meinen herzlichen Dank, denn Wasser ist Leben. Die Gemeinde Oberhausen mit ihren Bürgerinnen und Bürgern leistet hiermit einen großen Beitrag für die Reinhaltung des Hackengrabens, des Wasserschutzgebiets Beutmühle und des Grundwassers. Fridolin Gößl Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen

Das Projekt

Die Notwendigkeit

Eine grundsätzliche Überplanung der Kläranlage Oberhausen wurde erforderlich durch die unzureichende und nur teilweise automatisierte mechanische Vorklärung sowie die – auch bei niedrig angesetzten Anforderungen an die Reinigungsleistung – mit maximal 1.500 Einwohnerwerten belastbare Tropfkörperbiologie. Ebenso trug das zu kleine Nachklärbecken und die Anforderungen an die künftige Klärschlammentsorgung zur Dringlichkeit einer Neuplanung der Kläranlage Oberhausen bei.

Planungsphase

Aufbau und Zustand der alten Kläranlage wurden zunächst in einer Studie untersucht, die der Gemeinde im März 2002 übergeben werden konnte.

Dabei wurden die Anforderungen der Gemeinde Oberhausen an die künftige Entwicklung einschließlich der Anbindung weiterer Ortsteile betrachtet. Die Wahl fiel auf den Ausbau der Kläranlage als Belebungsanlage für 3.000 Einwohnerwerte, die neben dem bisher erreichbaren Kohlenstoffabbau durch weitgehenden Stickstoffabbau und die Erweiterungsoption „Phosphatfällung“ eine weitestgehende Abwasserreinigung gewährleistet und dadurch den Nährstoffeintrag in das aufnehmende Gewässer minimiert. Der Bauentwurf vom 16.04.2004 berücksichtigt neben dem Ausbau der mechanischen und biologischen Reinigungsstufe Schlamm- und Presswassersilos sowie ein Betriebsgebäude mit Schaltwarte, Labor und Reparaturwerkstatt.

Wirkungsweise

Das Abwasser – bei Regen bis zu 34 l/s – passiert zunächst den Siebrechen, der mit einem Durchgang von 5 mm Grobstoffe herausfiltert. Anschließend werden mineralische Feinteile bis etwa 0,2 mm Korngröße im Rundsandfang durch Flieh- und Schwerkrafteinwirkung weitgehend abgeschieden. Nun gelangt das vorgereinigte Abwasser über einen Schacht zur Mengenmessung in das Herzstück der Kläranlage: das Belebungs- und Nachklärbecken. Im Belebungsbecken wird das Abwasser intensiv mit dem dort vorhandenen Bakterienschlamm durchmischt. Durch den geregelten Sauerstoffeintrag in das rund 1.100 m3 fassende Belebungsbecken werden für die Bakterien, die sich von den Abwasserinhaltsstoffen ernähren, für die einzelnen Reinigungsphasen „Kohlenstoffabbau – Nitrifikation – Denitrifikation“ die optimalen Bedingungen geschaffen. In dem innen liegenden Nachklärbecken wird auf dem Fließweg von innen nach außen der Belebtschlamm vom Klarwasser getrennt.

Das Klarwasser fällt über eine Zahnschwelle in die umlaufende Sammelrinne und verlässt über den Messschacht die Kläranlage. Der im Nachklärbecken abgesetzte Schlamm wird über ein Schneckenpumpwerk größtenteils zurück in das Belebungsbecken geführt bzw. als Überschussschlamm in die Schlammsilos abgezogen. Eine Besonderheit ist, dass aufgrund der gegebenen Höhenverhältnisse von der mechanischen Vorreinigung in Rechen und Sandfang bis zur biologischen Reinigungsstufe einschließlich Nachklärbecken die Bauwerke so angeordnet werden konnten, dass das Abwasser die gesamte Anlage im freien Gefälle durchströmt.